Einführendes Impulsreferat:

von Dr. Josef Hoppichler – Bundesanstalt für Bergbauernfragen

"Gutes Essen - wie WIR durch unsere Lebensmittel die Welt gestalten"

Ein paar einleitende Gedankensplitter:

Unser Essen ist Spiegelbild unserer Kultur im weiteren Sinne und Spiegelbild unserer Agrikultur im engeren Sinne. Die Essenskultur ist auch die Agrikultur seiner Zeit. Und in Zeiten der Globalisierung hat unser Essen sehr viel mit den Weltagrarmärkten zu tun. Turbokühe durch Gentsch-Soja, Heinz-Ketchup weltweit vermarktet oder McDonald als Alltagsversorgung sind eigentlich Teil ein und derselben Kultur und diese ist globalisiert, industrialisiert, standardisiert, multikulturell qualifiziert, „gesundheitlich“ kontrolliert, mit Markenzeichen versehen und vielleicht sogar als „CO2-neutral“ beworben.

Wenn „Gesundheit und Natürlichkeit“ als Kriterien der Nachfrage identifiziert werden, dann hat das oftmals wenig mit der Produktion zu tun, sondern mit Werbe- und Marketingbotschaften, die sich so darstellen, damit die Konsumenten ein Gefühl dafür bekommen. Der Supermarkt und seine Erfinder- und TrägerInnen schaffen Konsumentengefühle durch „positive“ Kommunikationsinhalten, die über uns via Medien „wattebauschig“ darüber gestülpt werden.

Was und wie wir essen, hat somit auch viel mit den Möglichkeiten der modernen Informationsgesellschaft zu tun. Die Realitäten mögen dann wieder ganz andere sein: Anwachsende gigantische Monokulturen, Massentierhaltungen, chemische und biotechnische Steuerung der Biologie, überregionale und globale Transport- und Handelsnetzwerke, industrielle Verarbeitung und Prozessierung, und global agierende Supermarktketten mit Nahrungsmittelprodukten, deren Haltbarkeit an ihrem biologischen Herkommen zweifeln lassen, das sind leider die zunehmend vorherrschenden Realitäten. Alles ist verpackt und die „gesundheitliche Unbedenklichkeit“ wird gegen „garantierte Umweltverschmutzung des PlasticPlanet“ eingetauscht.

Die Weltagrarmärkte:

Damit beschäftigen wir uns zuerst einmal mit den Weltagrarmärkten – d.h. einerseits mit den Warenmärkten (Getreide, Milch, Schweine- und Geflügelfleisch), dem Wachstum der „Fleischesser“ und dann auch mit den großen Industrie- und Handelslobbys, die die Weltagrarmärkte kontrollieren. Als ein Beispiel für die landwirtschaftliche Vorleistungsindustrie wird der globale Saatgutmarkt herangezogen, der in den letzten Jahren durch eine extreme Konzentration gekennzeichnet war. Wir begeben uns ein wenig auf die Spuren von Monsanto, Syngenta und Bayer-Crop-Science und spüren ihrem wachsenden Machtanspruch, das Essen der Menschen weltweit zu beherrschen nach. Dann folgen wir auch den großen Handelsströmen auf den Getreide- und Ölsaatenmärkten und beschäftigen uns mit den „Global Players“ wie Cargill, Archer Daniels Midland (ADM) und Bunge. Das sind die größten Agrarhandelsfirmen – aber nur Wenige wissen über sie Bescheid.

Die KleinbäureInnen und der Hunger:

Doch nicht die Großen ernähren die Menschheit, sondern nach wie vor die KleinbäuerInnen dieser Erde ernähren in täglich harter Arbeit zumindest mehr die Hälfte der Menschheit. Nur ein Beispiel: In Asien erzeugen eine Milliarde KleinbäuerInnen Reis, der ca. 80 % des Kalorienkonsums von 3 Milliarden Menschen abdeckt, mit einer Durchschnittsgröße von weniger als einem Hektar Ackerland.

Aber lokale Konflikte, Kriege, Wasserknappheit, fehlende Landressourcen, Seuchen bedingen  Unterernährung, sodass global gesehen, nach FAO-Angaben, 70 % der an Unterernährung leidenden Menschen Kleinbauern und „Landlose“ sind. Das heizt die globale Verstädterung erst richtig an.

Gentechnik, Patente und Saatgutmarkt:

Wer das Saatgut kontrolliert, der kontrolliert die Landwirtschaft – und wer das Saatgut patentiert, der hat Macht über die Ernährung……

Doch viele junge Menschen geben sich nicht geschlagen. Sie finden und erfinden Alternativen und machen so Hoffnung !!!


Der Werdegang von Dr. Josef Hoppichler

Landwirtschaftsstudium an der Universität für Bodenkultur in Wien (bis 1983).

Von 1983-1985 an der Bundesanstalt für alpenländische Landwirtschaft in Gumpenstein tätig

seit 1985 an der Bundesanstalt für Bergbauernfragen

Dissertation über "Ökonomische und ökologische Auswirkungen der Gen- und Biotechnologie auf die Landwirtschaft" (1992).

Beratende Mitarbeit beim österreichischen Gentechnikvolksbegehren

Diverse Studien zu „gentechnikfreien ökologisch sensiblen Gebieten“ sowie zu „Möglichkeiten der gentechnikfreien Produktion“ (http://www.gmo-free-regions.org/gmo-free-regions/austria.html) .

Weitere Arbeitsschwerpunkte: wirtschaftliche Aspekte der Biodiversität in Berggebieten, Weltagrarmärkte und nachwachsende Rohstoffe sowie umweltgerechte Landwirtschaft.

Lehrbeauftragter für „Ökonomie und Politik der natürlichen Ressourcen" an der Universität für Bodenkultur in Wien sowie österreichischer Vertreter in der „OECD-Arbeitsgruppe über Biodiversität, Wasser und Ökosysteme“ (WPBWE)